Blick zurück: Bürgerentscheid im Oktober 2002

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Mindelheimer Zeitung 28.10.2002

Bürger haben sich für die A 6 entschieden
Hohe Wahlbeteiligung beim Bürgerbegehren in Ettringen – Ortsumgehung wird gebaut, wie vom
Gemeinderat beschlossen. Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Frieder

Ungeachtet des Sturms, der am Wochenende über Deutschland hinweg fegte, scheinen für Ettringen die stürmischen Zeiten jetzt erst einmal vorbei: Das Bürgerbegehren ergab ein eindeutiges Votum für den sofortigen Bau der Ortsumgehung auf der vom Gemeinderat beschlossenen Trasse A6.

„Befürworterparty“ im Gasthaus Krone nach dem Bürgerbegehren

Insgesamt lag die Wahlbeteiligung in Ettringen mit seinen Ortsteilen Siebnach und Traunried bei 66,74 Prozent, in Ettringen selbst sogar bei über 80 Prozent. Es stimmten 80,8 Prozent der Bürger für den Bau der A 6. Relativ viele ungültige Stimmen (insgesamt 273) deuten darauf hin, dass die Fragestellung als einigermaßen kompliziert empfunden wurde.
Das Ergebnis, das heute noch offiziell bestätigt werden muss, war mit Spannung erwartet worden. Gekostet hat das Bürgerbegehren die Gemeinde rund 2500 Euro. Erleichtert zeigte sich Bürgermeister Robert Sturm.
„Jetzt weicht hoffentlich der Albdruck endlich von der Gemeinde,“ sagte er gestern Abend. „Das
Wahlergebnis ist eindeutig und bestätigt die Arbeit des Gemeinderats.“
Er hoffe, so Sturm, dass nun wieder Frieden im Dorf einkehre. Er habe die letzten Wochen doch als sehr belastend empfunden. „Wir werden,“ kündigte er an, „nun so schnell wie möglich die Arbeit am
Bebauungsplan wieder aufnehmen und zügig vorantreiben.“ Er rechne fest damit, rechtzeitig für die in Aussicht gestellte Förderung mit der Planung zu Rande zu kommen.
Michael Wolf von den A 6-Befürwortern sagte, er sei froh, „dass sich die Mehrheit zum Wohle der
Allgemeinheit entschieden hat. Durch den Bau der A 6 wird nicht nur die Sanierung des desolaten
Ortsbildes sinnvoll, sondern auch die Lebensqualität aller Mitbürger sehr verbessert.“ Er kündigte an, die an der Hauptstraße angebrachten Plakate sofort entfernen zu wollen.
Max Maurus von der Interessengemeinschaft gegen die A 6 reagierte gelassen auf das Wahlergebnis und meinte: „Es ist ein klares, eindeutiges Ergebnis, und damit müssen und können wir leben. Das Dorf hat entschieden, wir fügen uns der Mehrheit.“
Gemeinderat Andreas Scheitle (FWV) äußerte seine Freude über den Wahlausgang: „Die große Masse der Bürger hat sich entschieden und ein klares Votum abgegeben. Es wird eine Weile dauern, bis sich das Dorf wieder zusammen findet, aber das wächst bestimmt wieder zusammen.“
Stolz auf die Wähler Ilse Tschiedert (SPD) versichert, sie habe die Erfahrung gemacht: „Wenn’s um die Wurst geht, weiß das Wählervolk, auf was es ankommt, das haben wir heute wieder erlebt. Ich bin sehr froh, dass so viele die Arbeit des Gemeinderats bestätigt haben, sonst säßen wir ja umsonst drin. Wenn die A 6-Gegner das Wahlergebnis akzeptieren, wie sie ja versichern, dann wird der ganze Spuk sehr bald vergessen sein.“
Ulrich Plukas (CSU), der im Rat gegen die A 6 gestimmt hatte, bewertete das eindeutige Ergebnis und die hohe Wahlbeteiligung ebenfalls als „sehr gut. Ein knapperes Ergebnis wäre problematisch geworden, aber jetzt gibt es keinen Raum mehr für Diskussionen, und das ist gut so.“ Er habe keine Probleme, unter Vergangenes einen Schlussstrich zu ziehen und glaube daran, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gemeinderat fortgesetzt werden könne. „Ich werde,“ versicherte Plukas, „mehr denn je aktiv und konstruktiv mitarbeiten. Wer etwas anderes annimmt, kennt mich schlecht.“
Sowohl die Gegner als auch die Befürworter der A 6 waren sich einig darin, dass das Bürgerbegehren ein gutes und sinnvolles Mittel gewesen sei, eine Entscheidung herbei zu führen.
Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses durch Bürgermeister Sturm trafen sich beide Seiten zur
Nachbesprechung, die Gewinner natürlich auch zum Feiern. Gemeinderat Wilfried Hartmann meinte: „Für uns ist heute schon Weihnachten.“

 


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