Störfall: Schwefelwasserstoff ausgetreten

Das im Faulturm (links) anfallende Biogas sollte eigentlich zur Befeuerung eines Heizkessels verwendet werden. Wenn es jedoch nicht die notwendige Reinheit erreicht, muss es eigentlich in der Fackel (rechts) verbrannt werden, bestätigte Aviretta-Chef Carl Pawlowsky (links vorne). Zuletzt wurden das Biogas und der enthaltende Schwefelwasserstoff aber sogar unverbrannt in die Luft geblasen.

Bei der Firma Aviretta in Ettringen gab es erneut Probleme bei der Verwertung von Biogas. Das Landratsamt hat Berichte des Unternehmens angefordert und sagt: Es hat keine Gefahr für Menschen oder Umwelt bestanden Von Alf Geiger (…)
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Biogas nutzlos durch den Schornstein gejagt

Kommentar von Alf Geiger:
Vertrauen ist gut. Kontrolle besser

Achtung, ein Witz: Der Bankräuber wird auf frischer Tat ertappt. Der Polizist sieht, dass er noch die Scheine in der Hand hat, die er gerade erbeutet hat. Der Beamte stellt den Räuber zur Rede – doch als der ihm verspricht, dass er das bestimmt nie wieder tut und alles doch sowieso gar nicht so schlimm war, dreht sich der Polizist um – und geht nach Hause.

Achtung, kein Witz: Gestern erfuhr die Mindelheimer Zeitung gegen Mittag von dem Störfall bei der Firma Aviretta in Ettringen. Das als Umweltbehörde zuständige Landratsamt wusste bereits von dem Vorfall. Unternommen wurde aber nichts. Die Öffentlichkeit wurde ebenfalls nicht informiert. Warum nicht? Weil die Firma ja schließlich schon aufgefordert worden sei, einen Bericht zu schreiben. Dann könne das Landratsamt ja immer noch entscheiden, ob was unternommen werden muss. Es werde schon alles seine Richtigkeit haben, was die Firma von sich aus mitteilen wird. Und eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung oder Gefahren für die Umwelt werden schon nicht bestanden haben. War nicht mehr zunächst zu erfahren, denn die Mitarbeiter der Umweltbehörde waren: nach Hause gegangen.

Erst nach hartnäckiger Recherche sah sich das Landratsamt in der Lage, die Informationen am Nachmittag noch zusammen zu bekommen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden und auch von Umweltschäden sei nichts bekannt. Woher die Behörde das wissen will, wo doch offenbar keinerlei Messungen stattgefunden haben und nicht bekannt ist, welche Menge an Schwefelwasserstoff tatsächlich in die Luft geblasen wurde? Das werde dann der Bericht des Unternehmens zeigen, hieß es. Dass sich jetzt viele Ettringer große Sorgen machen, ist keine Überraschung. Sie sehen ja in der Nacht den Feuerschein, wenn das Biogas – nach wie vor – über die Fackel verbrannt wird. Das, so das Landratsamt, sei aber völlig ungefährlich. Das kann man glauben – oder nicht. Man kann der Behörde vertrauen – oder eben nicht. Die Nachlässigkeit in diesem Fall untergräbt aber das Vertrauen in die Arbeit der Umweltbehörde beim Landratsamt.

 


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