Geschichte der St. Martins Kirche

Kirche und Pfarrer

Durch die Familie Stiller werden wir zwangsläufig zur Kirchengeschichte unseres Ortes hingeleitet. Doch, um sie ganz zu erfassen, müssen wir noch einmal zurückgehen bis in die frühen Tage der Römer.

Die alte römische Ordnung war um 600 n. Chr. durch den Pactus Alemanorum, um 720 durch die Lex Alemanorum und schließlich ab 746 durch die neue fränkische abgelöst worden, und damit eroberte auch das Christentum unser Land. Schon seit dem Ende des 3. Jahrhunderts gab es Anhänger des Christentums in Rätien, welches von Burgund aus über die Donau gebracht worden war. 303 starb in Augsburg die heilige Afra und in derselben Zeit starb irgendwo zwischen Lech und Inn der heilige Florian den Märtyrertod. Der erste Bischof von Augsburg, der heilige Dyonisius, wurde im Jahre 304, also noch unter römischer Oberhoheit, eingesetzt. 313 erhielten die Christen römischen Schutz und 324 wurde die christliche Religion Staatsreligion. Die eigentliche Christianisierung jedoch betrieben die Franken in unserem bis dahin heidnischen Lande. St. Martin und St. Stephan weisen auf diese Einflüsse hin, wie schon früher erwähnt. Ausgangspunkt der damaligen jungen Religion dürfte Augsburg gewesen sein, von wo aus die Missionare und Prediger in das umliegende Land gezogen sind. Voraussetzung dafür war natürlich die Aufgabe des unsteten Nomadenlebens, die Hinwendung zur dauernden Sesshaftigkeit und damit die Gründung eines eigenständigen Bauerntums. Alles dies war in Ettringen gegeben. Sicherlich erfolgte die entscheidende Wandlung zum Christentum in unserer Gegend in den Jahrzehnten zwischen 600 und 800 n. Chr.

Nach der Niederlage der Alemannen bei Cannstatt wird in Ettringen wohl das erste kleine hölzerne Kirchlein errichtet worden sein. Es wird an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Martin gestanden haben. Das Martinspatrozinium lässt dies vermuten, war doch der heilige Martin Schutzpatron der Franken. Wahrscheinlich gründete der Maier diese kleine Eigenkirche, bei der er nach Auflassung des heidnischen Reihengräberfeldes mit seiner Familie bestattet wurde. Leider konnte hier der exakte Nachweis nicht geliefert werden, da das Kirchenpflaster vor wenigen Jahren gelegt worden ist, ohne vorher den Boden archäologisch zu untersuchen. Dabei wäre bestimmt für die Frühgeschichte unseres Dorfes sehr Interessantes zutage gefördert worden, wie z. B. in der St. Martins Kirche in Schlingen, bei der seit etwa 750 bis heute fünf Kirchenbauten festgestellt werden konnten.

Bemerkenswerterweise fanden sich bei den Kanalarbeiten im Bereich der jetzigen Kirchenmauer an der Hauptstraße etwa einen Meter unter der Teerdecke Reste einer alten Kirchhofsmauer aus Ziegelsteinen.

Von der heutigen Ettringer Kirche ist der Turmunterteil in spätgotischer Bauart das älteste Mauerwerk. Er wird wohl schon vor 1500 erbaut worden sein, ist also heute etwa reichlich 500 Jahre alt. Dieser Ziegelbau erhielt 1711 einen Achteckaufsatz mit einer Pyramide als Spitze. Durch einen Blitzeinschlag wurde sie beschädigt und musste im Jahre 1778 erneuert werden. Diese Jahreszahl ist in den Stützpfeiler eingekerbt. Die Ziegel, mit denen der Turm errichtet wurde, sollen aus der Leite stammen und dort auch gebrannt worden sein, so erzählen es jedenfalls die Alten.

Außenansichten

Vier Glocken schwangen bis 1874 oben im Turme. Meister Sebolt in Augsburg hatte 1509 die erste gegossen. Erst 1717 kam die nächste aus Kempten von Hans Schniezerburger dazu. Bereits 1735 holte man die dritte Glocke aus Augsburg, von Johann Weber gefertigt. Im Jahr 1841 goss Ignaz Beck in Augsburg die letzte. Sie wurde von der Kirchenstiftung zu Amberg erworben und läutete dort seit 1875 bis zum 1. Weltkriege. Dafür bekam Ettringen im gleichen Jahr ein neues Geläut im Gesamtgewicht von 52 Zentnern mit der Stimmung d fis a d. Sie läuteten bis zum Kriege 1914/18. Da wurden sie für Kriegszwecke eingeschmolzen, sogar die Gemeindeglocke, die stets geläutet wurde bei Bekanntmachungen, und wenn die gemeindliche Fronarbeit begann. 1921 kam aus der Augsburger Werkstatt Hamm ein neues Geläut auf den Turm mit einem Gewicht von 80 Zentnern und den Tönen cis e fis gis h. Dafür zahlte die Ettringer Kirchenstiftung 150 000 Mark, Gott sei Dank ein Jahr vor der Inflation. Der zweite Weltkrieg holte abermals das klingende Metall von unserem Kirchenturme. Aus den Rufern zur Andacht und zum Gebete wurden todspeiende Kanonen gegossen, so dass mehrere Jahre kein Glockenton über unser Dorf hinweg schwang.

Nur die kleinste Glocke verblieb in der Glockenstube. Sie wurde im Jahr 1949 an die Ramminger Kirche abgegeben. Jetzt erhielt das Gotteshaus sein heutiges Geläut. Da das Bronzegeläut größer und schwerer werden sollte, als das vorhergehende, musste ein neuer, stabilerer Glockenstuhl angeschafft werden. Fünf Glocken tragen seitdem ihren ehernen Klang über die dichtgedrängten Dächer der Häuser von Ettringen.

Ankunft der neuen Glocken (24.8.1949) Jesu Glocke, Martin Glocke, Josefs Glocke, Marienglocke, Glocke der Gefallenen

Ankunft der neuen Glocken (24.8.1949) Jesu Glocke, Martin Glocke, Josefs Glocke, Marienglocke, Glocke der Gefallenen

Die größte Glocke wiegt 2200 Kilo, ist auf den Ton „C“ gestimmt und trägt die Aufschrift: „Herz Jesu, erbarme dich unser“. Die zweite Glocke wiegt nur 1250 Kilo und ist auf den Ton „Es“ gestimmt, mit der Inschrift „Heiliger Martinus, bitt für uns“. Die dritte und vierte Glocken wiegen jeweils 850 und 650 Kilo. Sie sind auf die Töne „F“ und „G“ gestimmt, mit der Beschriftung „Unbefleckte Jungfrau, bitt für uns“ und „Heiliger Josef, bitt für uns“. Die kleinste Glocke wiegt lediglich 350 Kilogramm und ist auf den Ton „B“ gestimmt. Sie trägt die Worte: „Oh Herr, gib ihnen den ewigen Frieden“.

Erst 1949 erhielt das heutige Geläut seinen Platz in der Glockenstube. Gegossen wurde das Geläut in der Werkstatt von Meister Gebhard in Kempten.

1988 mussten Schäden an den beiden größten Glocken, sowie an der Läutanlage von einer Spezialfirma aus Passau beseitigt werden.

Die St. Martins Glocke

Die St. Martins Glocke

1906 bekam der Turm eine Uhr mit Zifferblättern in alle vier Himmelsrichtungen. Jetzt läuteten die Glocken nicht nur zum Gebet und zur Andacht, jetzt schlugen sie sogar jede Viertelstunde an. Vorher ragte in der Höhe des jetzigen Zifferblattes an der Südseite eine Stange schräg nach unten vor. Es war eine Sonnenuhr. So zählten vor 1900 für die Ettringer nur die sonnigen Stunden. Das Landleben verlief im übrigen nach dem uralten Rhythmus des christlich kirchlichen Tages. Die Kirchenuhr musste vom Mesner alle 24 Stunden mit einer Handkurbel aufgezogen werden, bis im Jahre 1977 eine elektrische Uhr wartungsfrei den Antrieb der Zeiger und des Geläutes übernahm.

Das alte Uhrwerk

Das alte Uhrwerk

Das Zentrum einer Ortschaft war von jeher mit Ausnahmen wie in Siebnach die Kirche. In Ettringen stand früher eine kleine hölzerne Kirche, die später, wir wissen nicht wann, durch ein steinernes Gotteshaus ersetzt wurde, welches einen gotischen Chor besaß. Der Chor war um neun Stufen erhöht. Unter ihm lag eine von außen zugängliche Gruftkapelle, das sogenannte Erdkirchlein, welches der heiligen Ottilia geweiht war. Vielleicht sind in der Gruft Vögte von Schwabegg und andere Edle, wie auch die Ostheimer, beigesetzt worden.

1965 wurden dringende Renovierungsarbeiten am steinernen Fußboden der Kirche durchgeführt. Dabei entdeckte man das gemauerte Gewölbe der Gruftkapelle. Es befand sich am östlichen Ende des Langhauses auf der linken Seite zum Turme gelegen, beginnend etwa 1,50 Meter vor den Stufen zum Chor. Die Gesamtlänge des unterirdischen Baues konnte nicht ermittelt werden. Somit müssen wir annehmen, dass die Vorläufer unserer jetzigen Kirche mit ihren Grundmauern unter dem Chor fußen, der für eine Barockkirche unverhältnismäßig lang ist. Das Gewölbe war aus Ziegelsteinen gemauert, wie sie auch für den Unterteil des Turmes verwendet worden sind und hatte eine Stärke von ca. 50 cm. Der höchste Teil der Wölbung lag etwa 40 cm unter dem Fußboden des Langhauses. Der Innenraum war nur teilweise zugeschüttet, lediglich größere Erdbrocken und Steine bedeckten den Boden.

Im Jahre 1680 wurde dieses wahrscheinlich sehr alte Erdkirchlein mit Erde abgedeckt und unter Herzog Maximilian Philipp die gesamte Kirche umgebaut. Sie erhielt einen neuen Chor, Stuckdekor und einen Hochaltar aus Stuckmarmor. Am Langhaus wurde seitlich eine neue Ottilienkapelle und gegenüber eine Kapelle der Muttergottes von Einsiedeln angebaut.

Bereits 75 Jahre später sollte Michael Stiller eine neue Kirche errichten, nachdem im Jahre 1782 der Neubau geplant wurde unter Erhaltung der alten Chormauern. Obwohl am 30.Juli 1784 die Bewilligung zum Neubau erteilt worden war konnte man erst am 11. April 1785 mit dem Abbruch des alten Gotteshauses beginnen, wobei der alte Turm stehenblieb. Die Verzögerung ergab sich, da das schon bereitgelegte Bauholz zum Neubau abgebrannter Häuser in Hiltenfingen verwendet wurde.

Maurermeister Martin Stiller aus Ettringen und Zimmermann Franz Anton Prestele aus Türkheim errichteten nun die neue Kirche. Weitere Handwerker waren die Glaser Philipp Veith und Felician Lang sowie der Schlosser Joseph Weber, alle aus Türkheim stammend. Nach fünfmonatiger Bauzeit standen schon die Außenmauern. Im Jahre 1786 wurde gewölbt und am 6. Juli 1786 der Chordachstuhl aufgerichtet. Zeugnis von diesem für Ettringen ereignisreichen Tage legt die Inschrift in einem Balken über dem Langhause ab. Mit künstlerisch verschlungenen Buchstaben ist in das Holz folgender Text eingeschnitzt: „Chordachstuhl aufgerichtet den Julius Anno 1786 hat Franz Prestele Zimer und Brunenmeister in Türkheimden.“ (siehe Bild)

Reichlich 200 Jahre hielt der erstklassige und fachlich einmalig gezimmerte Dachstuhl. Doch dann besiedelten im Laufe der Jahre die Balken und Sparren gefräßige Holzwürmer, die die gesamte Dachkonstruktion in ihrer Stabilität beeinträchtigten, sodass man sich gezwungen sah, im Jahre 1989 mittels eines Heißluftverfahrens die kleinen Käfer im Holz zu vernichten.

Das Gestühl, Chor und Beichtstühle fertigte der Schreiner Joseph Schorg aus Ettringen an (die ersten und die letzten Bankreihen sind nicht mehr mit den jetzigen identisch, die Wangen an den neuen Bankreihen sind bei der Innenrenovierung 1965 wieder angebracht worden). Die Türen schufen die Schreiner Franz Baur und der Schmied Johann Georg Gruber, beide aus Ettringen.

Wann die feierliche Weihe der Ettringer Pfarrkirche stattfand ist nicht mehr festzustellen. Weder in Augsburg noch in der hiesigen Pfarrei sind darüber Unterlagen vorhanden. Geweiht haben muss sie der damalige Augsburger Bischof und Erzbischof von Trier, Kurfürst Klemens Wenzeslaus, er war der jüngste Sohn unter 14 Kindern des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III., des Sohnes „August des Starken von Sachsen.“

In den Jahren 1786/87 wurden die Deckenfresken vom Münchner kurfürstlichen Hofmaler Johann Christian Thomas Wink aufgetragen. Diese wertvolle Freskomalerei entstand in den besten Jahren seines umfangreichen Schaffens. Er war damals 48 Jahre alt und einer der begehrtesten und bedeutendsten Freskomaler Münchens.

Orgel und Hochaltar erhielten 1790 ihren Platz. 118 Jahre lang tat diese Orgel, von Johann Baptist Zech für einen Kaufpreis von 150 Gulden erbaut ihren Dienst. Sie entsprach noch ganz der barocken Klangauffassung, die allerdings allmählich nicht mehr gewünscht wurde. Diese alte Orgel wurde nunmehr 1908 durch eine von Julius Schwarzbaur erbaute elektrische ersetzt, deren Kosten sich auf 8560 Mark beliefen. Leider siedelten sich hier ebenfalls die gefährlichen Holzwürmer an. Außerdem stellten sich eine Reihe von Funktionsstörungen an dem Instrument ein, sodass man sich entschloss dem Orgelbauer Franz Schreier 1996 den Bau einer neuen Orgel zum Kaufpreis von DM 510.000 zu erteilen. Sie wurde in ihrer Registerzusammenstellung und deren Mensuren so angelegt, „dass das Instrument den Kirchenraum gut beschallt und den liturgischen Aufgaben gerecht wird, aber auch einen großen Teil der Orgelliteratur wiedergeben kann.“ Am 29.11.1998 erfolgte schließlich die feierliche Weihe des Instruments.

Das große Deckenbild von Wink zeigt in dem Viertel, welches bis über die Orgelempore sich erstreckt, den Kirchenpatron St. Martin als Irdischen in seiner Ritterrüstung auf einem Schimmel reitend. Davon abgetrennt sind die anderen drei Viertel des Bildes durch zwei Wolkenbänke, die dachartig in der Mitte zusammenstoßen und in ihrem somit gebildeten Dreieck wiederum das Dreieck der heiligen Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und die Taube als Symbol des Heiligen Geistes bergen und in dessen Mitte unter der Hand Gottes sich die Weltkugel befindet. Darunter gruppiert sich im Halbrund anbetendes und flehendes Volk aller Altersgruppen. Ein Gefangener hält die Hände mit den gesprengten Fesseln freudig empor, während andere den Leichnam eines jüngeren Mannes mit Trauer vor Gottes Augen legen. Zwischen dem Volk und Gott zeigt sich der in den Himmel aufgenommene Schutzpatron mit einer Gans im Arm.

Das herrliche Deckenbild bietet sich dem Beschauer mit barockem Inhalt dar. Es reißt den irdischen und realen Raum der Kirche auf in eine himmlische und überwirkliche Welt. Die Kirchendecke öffnet sich gleichsam zentral mit einer kräftigen Bewegung, die von den Gesten der Menschen an der Peripherie ausgeht zum leuchtend durchfluteten Mittelpunkt.

Die Decke des Chores gestaltete Wink dann im darauffolgenden Jahr. Sie stellt die Zwölf ältesten der Offenbarung des hl. Johannes dar, die das Lamm verehren. Darüber thront Gott Vater im Regenbogenkreis, umgeben von den Evangelistensymbolen (Engel, Löwe, Stier, Adler) und Engeln. Unten steht in einer Kartusche „SEDENTI IN THRONO / ET AGNO BENEDICTIO ET GLORIA IN SAECULA SECULORUM / APOC C.V.V. 13. (Ihm, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm gebühren Lobpreis und Ehre, Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit.“

Am nördlichen Eingang der Kirche findet sich eine steinerne Gedenktafel mit folgender Inschrift:
„Allhier ruht in Gott der wohledle und gestrenge Herr Jo. Jac. Türnhüber, von und zu Türnhofen, der hochfürstl. Max Philipp, Herzog in Bayern, gewester Rat und Obervogt der Grafschaft Schwabegg, Hauptmann, dessen und allen Christgläubigen abgeleibten Seelen der allmächtige Gott eine herrliche Auferstehung verherrlichen wolle. Amen. Starb den 10. August Monat im 1674, seines Alters 72 Jahre.“

GedenktafelIm Innern der Kirche, an der westlichen Wandfläche, ist noch eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht:
„Hier ruhen die Gebeine der hochedelgeborenen Frau Marianne von Markreitter, geborene von Mayr aus Prag, deren Gemahl 35 Jahre lang als Truchseß und Oberbereiter in Bayern mit Ruhm gedient und seine zärtlich geliebte Gattin nur um 14 Tage überlebt hat. Sie war tugendhaft, eine rechtschaffene Mutter für ihre Kinder und starb im 59. Jahre ihres Alters mit christlicher Gelassenheit auf der Churfürstlichen in Pacht gehabten Schwaige Ostettringen den 4. November 1782.
Ihre zurückgelassene Tochter Marianne von Klingensperg, Churpfalz Bayerische Revisionsrätin, ließ ihr dieses Denkmal kindlicher Liebe setzen im Jahre 1786“ (also im Jahre des Kirchenneubaus).

Diese Gedenktafel hing bis zur Renovierung im Jahre 1965 an der südlichen Wand des Langhauses. Sie war bis dahin durch eine Tafel verdeckt, auf der die Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingraviert waren. Unterhalb dieser Stelle fand man auch Knochenreste beim Ausbaggern des Kirchenbodens, wie auch in der Mitte der Kirche. Diese Funde, deren genaue Herkunft nicht festgestellt wurden, lagerte man zusammen mit dem ausgehobenen Erdreich in die jetzt rekultivierte Kiesgrube direkt unterhalb der Ettringer Mühle ab.

Wir dürfen mit aller Wahrscheinlichkeit annehmen, dass unter der Tafel die sterblichen Überreste der Frau von Markreitter bestattet worden waren. Wenn eine weltliche Person in einer Kirche beerdigt wird, so muss sie sich ganz besondere Verdienste um sie erworben haben. Wahrscheinlich hat Frau von Markreitter den Bau der neuen Kirche erheblich mit finanziert und den bekannten Hofmaler Christian Wink schon vor dem Neubau zur Gestaltung des Deckengemäldes verpflichten können.Gestühl

Im Jahre 1965 erhielt das Gotteshaus ein neues Laiengestühl, welches mit den Wangen der Kirchenbänke aus der alten Kirche versehen wurde.

Innenansicht

 

Die Gesamtkosten des seinerzeitigen Kirchenbaues betrugen rund 13800 Gulden, d. h. nach heutiger Währung etwa 750000 Euro. Das in Blau, Grau und Schwarztönen gehaltene Altarbild stifteten Franz und Paula Zech Miller. Es wurde 1811 von Konrad Huber aus Weißenhorn gemalt, in Anlehnung an das bekannte Abendmahlsgemälde Leonardo da Vincis in einem Dominikanerkloster in Mailand.

Der Hochaltar 

Seitenaltare

Kreuzwegstationen

In den Jahren 1961/62 wurde die Kirche außen und im Jahre 1965, wie schon gesagt, innen renoviert. Eine abermalige Außensanierung mit Anstrich, wie auch die Stabilisierung der Decke und die fachmännische Ausbesserung der schadhaften Stellen im Deckenfresko erfolgten in den Jahren 1988/89 mit einem Kostenaufwand von exakt 314817 DM.

Wiederum war im Jahre 2002 die Einrüstung des gesamten Gebäudes erforderlich, da etliche Sparren, vor allem über dem Chorraum und Balken des Lagers angefault waren. Dem schloss sich eine neue Eindeckung des Daches an mit einem Gesamtkostenvolumen für alle Arbeiten in Höhe von ca. 190.000 Euro.

Innenansichten

Heute gehört der Ettringer Kirche ein Waldbesitz von etwa 44,5 ha Wald, wovon das „Heilige Holz“ an der Tussenhauser Straße mit reichlich 36 ha das größte Grundstück ist.

Kirche mit altem Friedhof

Kirche mit altem Friedhof

Wenn wir davon ausgehen, dass der Gründer der Kirche und seine Familie beim Gotteshaus beerdigt wurden, so war dies gleichzeitig die Anlegung des ersten christlichen Friedhofes. Rings um die Kirche erstreckte sich bis zum Jahre 1970 das enge Gräberfeld des Gottesackers. Kirche und Friedhof lagen leicht erhöht. Dies war eine Vorsichtsmaßnahme, da bei den jährlichen Überschwemmungen der Wertach das Hochwasser, aus der Wettenstraße kommend, dieses Gebiet leicht erreichen konnte. Zudem mag der Wunsch beigetragen haben, die Kirche müsse weithin sichtbar sein und wie beschützend über den zusammengedrängten Dächern der Ortschaft aufragen.

Ebenfalls dürften wir in der Annahme nicht fehlgehen, dass auch der Ettringer Friedhof im Spätmittelalter befestigt war. Die umgebende Mauer war abgedeckt und stellte somit eine Art Dorffestung dar. In diesem umfriedeten Bereich stand der gemauerte Turm. Er war der letzte Schutz der Bedrängten in der Zeit der vielen Fehden ritterlicher Herren. So dürfen wir die Ettringer Pfarrkirche in jener Zeit als Wehrkirche mit befestigtem Friedhof erachten, wahrscheinlich mit Asylrecht. Zum ersten Stockwerk des Turmes führte eine etwa nur einen Meter breite Treppe, die man mit wenig Leuten leicht verteidigen konnte. Sie ist heute zugemauert und nur im ersten Stockwerk noch zu sehen. Der Aufgang zu dieser schmalen Stiege lag in der rechten Wand zwischen Kirchenschiff und Turm. Der Unterteil des Turmes scheint bis zum Bau der heutigen Kirche Sakristei gewesen zu sein, da der Erdgeschossraum ein Kreuzgewölbe besitzt. Ob von hier aus auch ein Zugang vorhanden war zur Gruftkapelle, ist nicht überliefert.

Der die Kirche umgebende Gottesacker wurde 1970 eingeebnet. Vom Jahre 1952 an erfolgten alle Beerdigungen auf dem neuen Friedhof in der St.-Martin-Straße, den man unter der Amtsführung des damaligen Bürgermeisters Alois Kornes angelegt hatte. Auch errichtete man zu gleicher Zeit hier das Leichenhaus, nachdem um den Standort im Gemeinderat heftig diskutiert worden war. Das Grundstück des ehemaligen Rektorhauses in der Schulstraße 11 war zunächst als Leichenhaus ins Auge gefasst worden. Auf dem nunmehr aufgelassenen alten Friedhof wurde 1972 ein Kriegerdenkmal errichtet, zur Erinnerung an all die Ettringer, die ihr Leben in den Kriegen dieses Jahrhunderts hingeben mussten oder als vermisst gemeldet worden sind.

Die Geschichte des Pfarrhofes beginnt an diesem Platze. Er stand etwas nordwestlich der heutigen Pfarrkirche, etwa westlich neben dem Kriegerdenkmal. Nach 1700 wurde dann das Pfarrhaus in der Tussenhauser Straße 4 errichtet, das im Herbst 2004 abgerissen wurde (siehe Fotoarchiv). Zum Hause gehörte auch der Stadel für den halben Großzehent der Gemeinde, in dem das Getreide und das Stroh gelagert wurden. Der Dachstuhl brannte mit dem benachbarten Anwesen Tussenhauser Straße 2 in den Jahren nach 1870 durch Brandstiftung ab und wurde dann wieder aufgerichtet. 15 Jahre lang wurde über den Abriss des Pfarrstadels diskutiert, der ja im Besitz der Kirche war. Die Diözese in Augsburg plädierte bereits längere Zeit für die Entfernung und sicherte zu, die gesamten Kosten der Beseitigung zu tragen. Dagegen wehrte sich die Gemeinde und versuchte das wirklich zu Alt Ettringen gehörende Gebäude einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Jedoch bei den erheblichen Renovierungskosten in Höhe von etwa 860.000 DM musste die Gemeinde dem Abriss zähneknirschend zustimmen, der dann am 5.12.2000 erfolgte.

Am 2.4.2005 erfolgte der erste Spatenstich für ein neues Pfarrheim (siehe Fotoarchiv) der Pfarreiengemeinschaft Ettringen-Siebnach-Markt Wald, welches an der alten Stelle des historischen Pfarrstadels errichtet werden soll (Bilder vom Richtfest siehe Fotoarchiv). Der Neubau soll ein Ort der Begegnung und des Friedens werden. 850.000 Euro wurden für das Vorhaben veranschlagt. Davon übernimmt die Diözese 65 % und die Pfarreien-gemeinschaft etwa 200.000 Euro der Baukosten. Im Heim werden die Mutter-Kind-Gruppe untergebracht werden, wie auch die Kommunion- und Firmkinder, die Senioren und der Kirchenchor.

Im Jahre 1972 weihte dann Bischof Stimpfle von Augsburg das jetzige Pfarrzentrum feierlich ein, welches während der Seelsorgezeit von Pfarrer Herbert Brazdil neben dem alten Pfarrhof gebaut worden war. Wer jedoch waren die Hirten, die Pfarrer, die in Ettringen das Christentum verkündigten und die Heilige Messe lasen?

Die Herzöge von Bayern oder ihre Pfandherren und Lehensträger setzten ursprünglich die Geistlichen ein (Kirchensatz), die den Kirchenbüchern nach zu schließen recht oft wechselten. Erst vom Jahre 1450 an sind uns die Ettringer Geistlichen namentlich bekannt. Am 23. Mai dieses Jahres führte Herzog Albert in Bayern aus besonderen Gnaden dem Bischof von Augsburg gegenüber einen Michael von Seckendorf als Pfarrer in Ettringen ein. Damit wird dokumentiert, dass die Pfarrei Ettringen zu jener Zeit von einem Priester höheren Standes betreut wurde, da es sich in diesem Falle um einen Mann adliger Herkunft handelte. Andererseits überrascht die Einsetzung dieses Pfarrers nicht, hatte doch Heinrich von Seckendorf, wahrscheinlich der Vater des Geistlichen und Vogt zu Schwabegg, 1423 von Herzog Ludwig in Bayern den Zoll über die Brücke zu Schwabegg mit allem Zubehör empfangen.

Wir dürfen annehmen, dass die Ettringer Pfarrpfründe nicht gerade mager gewesen sind. So hatte der Pfarrer einen ansehnlichen Pfarrhof mit Knecht und Mägden, Küchenmädchen und in bestimmten Fällen Anrechte auf Frondienst. Dies mag ein Grund gewesen sein, dass unsere Pfarrei mit Priestern adliger Herkunft öfters besetzt war. Ansonsten brachten die Pfarrpfründe oft nur wenig ein. Allgemein war zu jener Zeit ein Pfarrer auf dem Lande kein sehr gebildeter Mann, da das Studium an der oft weit entfernten Universität teuer war. So besuchte er nur eine Lateinschule und erhielt in einem Kloster seine weitere Ausbildung. Man verlangte von ihm eigentlich nur, dass er sein Brevier und das Messbuch lesen und die Sakramente austeilen konnte. Alle persönlichen Interessen musste er zurückstellen. So lebte er oft kärglich unter einem rauen und lauten Volk.

Im Jahre 1855 wurde noch einmal die Zehentpflicht der Ettringer an die Kirche festgelegt.
Hierüber existiert folgendes Dokument:

Zehent Beschreibung der Pfarrei Ettringens. Vorbericht.
Der Zehent zur Pfarrei Ettringen wurde in Folge des Ablösungsgesetzes vom Jahre 1848 nach gütlicher Übereinkunft zwischen den Zehentpflichtigen der Gemeinde Ettringen und dem damaligen Herrn Pfarrer Max Friedbichler fixiert. Die Übereinkunft des jährlichen Preises für sämtliche Groß- und Kleinzehent beträgt 860 fl. als Bodenzins. Im Erntejahr 1849 wurde der Zehent das erste Mal nun den Grundbesitzern nicht mehr ausgeworfen, sondern den Zehentbodenzins bezahlt, es wurde unter dem Etatjahr 1849/50 umrechnet.
Dieser Zehentbeschrieb wurde nun den Unterzeichneten im Jahre 1855 angefertigt. Im Jahre 1849 wurde ein solches nun den damaligen Vorsteher Paul Bachmann angefertigt, der aber, da viel Unrichtigkeiten und Fehler enthalten waren umworfen und durch diesen neuen ersetzt wurde.
Die Anfertigung dieses Zehentbeschriebes geschah auf folgende Weise: Von sämtlichen Zehentpflichtigen wurden 7 Mitglieder gewählt, die bei der Aufnahme mit jedem Pflichtigen zugegen waren und bei kleinen Beständen gleich mit dem Zehentpflichtigen durch gütliche Übereinkunft, wenn es nicht anders zu machen war, bereinigten. Es wurde alles festgesetzt, wie in diesem Zehentbeschrieb angegeben. Auf den Flächeninhalt mit 1071 Tagw. 97 Dez. und Verhältniszahl 11063,0 wurden 842 fl. 50 ½ x Bodenzins berechnet und nach der Verhältniszahl uneteilt. Die Zehentpflichtigen Grundstücke, welche nicht nach der Verhältniszahl uneteilt wurden betragen 17 fl. 9 1/2 x .

Die gewählten Ausschussmitglieder waren:
Paulus Rieber, Mathäus Schilling, Martin Zech,
Joseph Miller, Heinrich Schwab, Joseph Götzfried, Franz Miller
Ettringen den 18. Juli 1855
Alois Müller Vorsteher.

1622 begann Pfarrer Leichnamschneider mit den Aufzeichnungen über alle Geburten, Eheschließungen und Beerdigungen in der Pfarrei Ettringen, wie bereits an anderer Stelle behandelt. Er selbst bezeichnete sich als Magister. Zwischen einem Magister und einem Doktor wurde in jenen frühen Jahren des Universitätswesens nicht unterschieden. Die Pfarrei Ettringen war demnach keine arme und allgemein existierende Landpfarrei. Sie muss wegen der Anwesenheit einiger Adliger und Promovierter eine bevorzugte Besetzung mit Geistlichen erfahren haben. Die späteren Jahre bezeugen diese Annahme. 1641 übernimmt Magister Michael Bertele das Kirchspiel, und weiter lesen wir in den Kirchenbüchern, dass am 10. Februar 1709 der Ettringer Pfarrer Dr. Johannes Stotz neben dem St. Ottilien Altar der alten Pfarrkirche beerdigt wurde. In dieser Reihenfolge sei vor allem seine Excellenz Pfarrer Joannes Waal vom Kapitel Baisweil genannt. Er war Dekan und Pfarrer von Ettringen und übte vom 25. Juli 1734 bis zu seinem Tode am 4. Mai 1764 hier das Pfarramt aus. Er wurde mitten in der Kirche beerdigt, um auch über den Tod hinaus bei seiner Gemeinde sein zu können. Eine andere Version lautet, dass eine Person, die unter den Boden der Kirche beerdigt worden ist, am Jüngsten Tag ihre Auferstehung in der Kirche erlebt.

In den Jahren von 1700 bis etwa 1800 waren auch Kapläne in Ettringen tätig.
Ein origineller Ettringer Pfarrherr sei hier noch besonders erwähnt. Er hieß Johann Georg Scheifele und war von 1878- 1880 in der hiesigen Pfarrei tätig. Er wurde 1825 in Mindelheim geboren und veröffentlichte viele Gedichte in schwäbischer Mundart unter dem Pseudonym „Jörg von Spitzispui“. Er wollte mit seinen humorvollen und doch nachdenklichen Gedichten das provinzielle Leben und Treiben in lustiger Weise der Nachwelt überliefern und dadurch der heiteren Laune Nahrung und der Melancholie Heilung schaffen. König Maximilian II. reihte Scheifeles Gedichte „allerhöchst in seine Privatbibliothek“ ein. Am 29. Juli 1880 starb Scheifele als Pfarrer von Ettringen während der Vorbereitung zur fünften, verbesserten Auflage seiner Gedichte in schwäbischer Mundart.

Als Kostprobe soll hier eines seiner netten Gedichte stehen, in dem einige Ettringer Familiennamen mit enthalten sind.

Auszug aus „Die Romfahrt oder der Gäbelestecka“:

„Es haut amaul bei Mindelhoim
im Schloss a Ritter g’hausat,
dear viele Schlachta g’wonna haut
und d’Wälscha brav haut g’Iausat.
Und weil ear halt dur sei Bravour
sogar bis Rom ischt komma,
so hand zur Romfahrt Burgersleut
halt an’s Kurasche g’nomma.
Der Blochum und der Dötterle,
der Killa und der Hölzle,
der Knobelring und Feufeler,
der Klauda und der Stölzle,
der Fackler, Krötzer und der Hauck,
der Gerla und der Zacher,
der Kappelschreiner und der Fink,
der Spatz und Madisbacher.
Der Deschler und Chrysoschteler,
der Trämmer und der Löhla,
der Kleischpa, Wüschtla und der Gsterr
thun grad zwei Dutzet zöhla.
So sind sie futt am Jörgatag
mit Gebelestock und Flächla,
und jöedem hanget an der Seit
für’s Broad a liedres Däschla…“

Am 17.8.1873 fand eine Primiz in der Pfarrkirche St. Martin statt. Die festliche Primiz feierte der Neupriester Alois Scheitle. Er stammte aus dem Hause St.-Martin-Straße 6. Dies war ein kleines Häuschen, welches um 1970 weggerissen wurde, um dem jetzigen großen Wohnhaus platz zu machen. Die Eltern des Primizianten stammten ebenfalls aus einem kleinen Haus, welches an der Stelle des jetzigen Stadels der Bäckerei Lang stand.

Eine weitere festliche Primiz fand am 9. Juli 1995 hier statt. Der Neupriester hieß Konrad Kuhn. Bei herrlichstem Sommerwetter fanden sich große Scharen von Gläubigen auf der damaligen Festwiese (heute Standort des neuen Feuerwehrhauses) zur Messfeier mit sechs Konzelebranten ein. Mit dem Primizsegen und dem von allen gesungenen „Großer Gott, wir loben dich“ fand die Messe ihren Abschluss. Die Priesterweihe hatte bereits im Passauer Dom stattgefunden.

Doch nun noch einmal zurück in das 18. und 19. Jahrhundert. Damals versammelte man sich zu verschiedenen Prozessionen während des Jahres. So ging man zum Patroziniumsfest nach Gennach, zum Fest des heiligen Markus und am 2. Roratesonntag nach Siebnach, am 3. Roratesonntag nach Türkheim und am 4. Roratesonntag nach Markt Wald (2. 4. Adventssonntag).

Das Zeitalter des Barock, welches gegen Ende religiös zu schwülstigen und bigottischen Übertreibungen neigte, wurde nicht nur von den modernen Aufklärern, sondern auch von objektiv denkenden klerikalen Kreisen in normale Bahnen gewiesen. Die vielen kirchlichen Feste wurden von der hohen Geistlichkeit deshalb erheblich eingeschränkt und dem stark wuchernden Aberglauben wie der übertriebenen Reliquienverehrung bot man allmählich Einhalt. Der irdische Prunk des Barock wurde aufgehalten, um die Demut und Einfachheit des Glaubens und seine Aussage wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Leider vernichtete dabei Übereifer manch wertvolles Kulturgut. So wurden im Jahre 1807 zwei Kapellen in Ettringen abgebrochen. Die eine stand wahrscheinlich auf dem jetzigen Grundstück Siebnacher Straße 31, der Flurname lautet heute noch »Maurers Kapellen Äcker«, die andere stand im Garten oberhalb des Grundstücks Bachstraße 14. Altbürgermeister Alois Hartmann hat beim Pflanzen eines Baumes dort noch die alten starken Fundamente des einstigen Baues gefunden. Es muss eine herrlich ausgeschmückte Kapelle gewesen sein, die dem Heiligen Kreuze geweiht war (hl. Creitz Cappelle). In der Fastenzeit wurden hier mehrere Messen gelesen und an den beiden Festen der Auffindung und der Erhöhung des heiligen Kreuzes ebenfalls. Vom Geld für die Messen zahlte man: »den Pfarrer, die Lichter für das Gotteshaus, den Messner, den Schulmeister und die Armen«. So lesen wir es im Matrikelbuch aus dem Jahre 1622. Im Jahre 1698 muss die Kapelle wegen Baufälligkeit umgebaut worden sein. Das alte Kruzifix dieser Andachtsstätte ist noch erhalten. Eine dritte Kapelle ist die sogenannte „Baindlkapelle“, benannt nach dem damaligen Hofbesitzer. Hier handelt es sich um eine kleine Privatkapelle, die zum Grundstück Kapellenstraße 28 gehört. Sicherlich war die kleine abgebrochene Kapelle in der Siebnacher Straße auch nur eine private Andachtsstätte, da sie in den Anhängen der Kirchenbücher nicht erwähnt wird. Nach ihrem Abbruch muss die bei der Mühle befindliche errichtet worden sein, man nimmt an, dass sie 1880 erbaut wurde, worauf ihr neugotischer Baustil schließen lässt. Nachdem die Firma Lang den Hof nach dem Tod des letzten Hofbesitzers Michael Baindl gekauft hatte, ließ sie die ziemlich inzwischen verwahrloste Kapelle wieder instand setzen. Sie erhielt an einem glühend heißen August Sonntag im Jahre 2003 ihre kirchliche Weihe im Rahmen eines kleinen Festes.

Baindlkapelle 2002

Baindlkapelle 2002

Im Jahre 1998 erfolgte in unserer Pfarrei ein besonderer Priesterwechsel, als Geistlicher Rat Pfarrer Herbert Brazdil nach 36 Jahren Seelsorge von Ettringen als allseits beliebter Priester schied. Für ihn wurden zwei indische Patres aus Kerala und Goa in die Pfarrei eingesetzt. Da beide zugleich auch die Markt Walder Pfarrei mit übernehmen mussten, schlossen sie die drei Pfarrsprengel zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammen. Dieses Konzept, so hofft man, soll den beängstigenden Priestermangel möglichst auffangen und damit soll auch die religiöse Betreuung mehr ohne Pfarrer möglich sein. Gefordert werden hier vor allem die Laien, die zeitweise nach einer kurzen theologischen Ausbildung sogenannte Wortgottesdienste halten sollen. In all den vergangenen 1500 Jahren stand man nicht vor so schwerwiegenden Problemen, die ein sichtbares Zeichen dafür sind, dass wir Menschen immer mehr dem kalten Materialismus zuneigen, als einem gläubigen Seelenheil.

Ein besonderes Ereignis für Ettringen auf diesem Gebiet war eine abendliche Eucharistiefeier nach Syro-Malabarischem Ritus, die mehrere Priester als Thomaschristen Indiens in unserer Barockkirche zelebrierten. Dabei unterschied sich die Zeremonie schon wesentlich von der lateinischen Messfeier. Hat doch die christliche Gemeinde in Südindien ihren Glauben, der Überlieferung nach vom hl. Apostel Thomas empfangen, den es nach dem Tode Christi bis dahin verschlagen haben soll. Wie die Gemeinde erfuhr, sollen in Indien etwa 4 Millionen Gläubige diese Liturgie in der Landessprache von Kerala, in Malayalam, feiern.

Gedenktafel

 

 

 

 

 

 

 


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