Blick 40 Jahre zurück: GMR Gegen Ansiedlung eines Supermarktes

Gemeinderat bezieht klare Position: Gegen Ansiedlung eines Supermarktes

Tenor der Beratung: Bevölkerung ist ausreichend versorgt

Ettringen (wr). Einstimmig abgelehnt hat der Gemeinderat die Anfrage eines auswärtigen Bauwerbers, in Ettringen einen Lebensmittelsupermarkt zu erstellen. Rechtlich „zu Hilfe“ kam die Tatsache, dass dafür kein Sondergebiet ausgewiesen ist; die Gemeinderäte machten aber eindeutig klar, dass ein solcher Supermarkt in Ettringen nicht erwünscht ist.

Zahlreiche Zuhörer hatten sich zu der Sitzung eingefunden. Bürgermeister Walter Fehle verlas den Antrag, der von Franz Braun in Sonthofen gestellt wurde (der im übrigen auch schon in Türkheim mehrmals als „Anfrager“ aufgetreten ist). Danach wollte Braun in Ettringen ein Geschäftshaus erstellen, unter anderem mit einem Lebensmittelmarkt mit 980 Quadratmeter Verkaufsfläche und 500 Quadratmeter Lagerfläche.
Die Gemeinde Ettringen zog dazu das Landratsamt zu Rate und bat um eine Stellungnahme. Danach könne ein solcher Supermarkt nur in einem ausgewiesenen Sondergebiet entstehen, wurde von Seiten der Kreisbehörde betont; dies gelte auch dann, wenn die Gesamtfläche deutlich unter 1500 Quadratmeter geplant werden. Das Landratsamt wies ferner darauf hin, dass ein derartiges Sondergebiet in Ettringen nicht ausgewiesen sei und deshalb die Gemeinde eine erhebliche Einflussmöglichkeit habe.
Bürgermeister Walter Fehle machte deutlich, daß die ganze Angelegenheit unter zwei Gesichtspunkten zu sehen ist: Zum einen von der Versorgung der Bevölkerung her, zum anderen im Hinblick auf die Konkurrenz für die bestehenden Einzelhandelsgeschäfte: Der Bürgermeister: „Unsere Gemeinde ist ausreichend versorgt, außerdem sind in der Nachbargemeinde Türkheim ausreichend Großmärkte vorhanden. Wir können deshalb derzeit auf ein solches Großobjekt verzichten, vor allem auch deshalb, weil die rechtlichen Voraussetzungen dafür in Ettringen nicht sind.“


Das Nicht-Vorhandensein eines ausgewiesenen Sondergebietes ist, so wurde im weiteren Verlauf betont, wie wichtigste Handhabe, um den Antrag abzulehnen.
Eine eindeutige Lanze für die Ettringer Einzelhändler brach Gemeinderat Rudolf Weber: „Wir haben eine gute Struktur im Ettringer Einzelhandel, und die Einzelhändler strengen sich an“, meinte Weber, und Ludwig Hochwind fügte an: „Ein Großmarkt wäre der Tod der Ettringer Einzelhändler“. „Ettringen ist für einen solchen Markt zu klein“, betonte Eugen Mayr, und 2. Bürgermeister Konrad Böck befürchtete: „Wenn ein Großer kommt, macht er zunächst die Kleinen kaputt, aber wenn es dann nicht läuft, macht er auch schnell wieder zu, und dann haben wir gar nichts mehr“.
Einstimmig beschloss der Gemeinderat schließlich die Ablehnung des Antrages mit den Argumenten, dass die Einwohnerzahl Ettringens zu klein ist, dass kein Sondergebiet ausgewiesen ist und schließlich, dass die Bevölkerung ausreichend versorgt ist. Quelle: Mindelheimer Zeitung Februar 1986

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