Protestanten geben Ettringer Kirche ab

Zu teuer und zu wenig Gottesdienstbesucher: Die evangelische Gemeinde Türkheim überlässt die Kirche in Ettringen den Russisch-Orthodoxen.

Groß ist sie nicht, die evangelische Kirche in Ettringen. Aber wenn zwölf Menschen Gottesdienst feiern, dann wirken sie selbst hier verloren, in dem kleinen Kirchlein mit dem geschindelten Turm neben dem Friedhof. Schon länger war den Verantwortlichen der evangelischen Kirchengemeinde Türkheim klar: Die Ettringer Auferstehungskirche ist zu teuer und zu schlecht besucht. Jetzt ist ihre Zukunft geklärt: Von 1. April an gehört sie der russisch-orthodoxen Kirche.

Im Rahmen der sogenannten Immobiliensicherung der Landeskirche sollte jede Gemeinde vergangenes Jahr eine Bestandsaufnahme ihrer Gebäude abgeben, erklärt Pfarrer Claus Förster. Dabei habe sich die Entscheidung gefestigt. „Gewusst haben wir es schon länger“, sagt Förster. „Zwei Kirchen für eine Diaspora-Gemeinde, das ist einfach zu viel.“ Dabei geht es auch ums Geld: Das Kirchendach müsste dringend saniert werden, dazu kommen hohe Energiekosten.

220 Evangelische leben zurzeit in Ettringen. Lange Zeit hatte es dort alle zwei Wochen einen Gottesdienst gegeben. Am Ende kamen fünf bis zwölf Besucher. Seit Ende Januar finden Gottesdienste nur noch in Türkheim statt. Dort ist die Zahl der Besucher in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Förster, der seit 2010 Pfarrer der Gemeinde ist. Besonders viele kommen zu den modernen Gottesdiensten – meist seien es mehr als 100. „Da müssen wir sowieso in den Saal ausweichen“, sagt der Pfarrer. In der Türkheimer Kirche haben sie nicht Platz, geschweige denn in der Ettringer.

Anja Bittner, die Vertrauensfrau aus dem Kirchenvorstand, stößt bei den Gemeindemitgliedern auf Verständnis. Trotzdem weiß sie: „Es ist natürlich nicht leicht, sich von seiner Kirche zu verabschieden.“ Doch es habe sich eben schon über einen längeren Zeitraum gezeigt, dass sich das Gemeindeleben in Türkheim konzentriert.

„Wir sind froh, dass sich jetzt nach längerem Suchen diese Lösung aufgetan hat“, sagt der Pfarrer. „Man kann ja nicht aus der Kirche eine Disco machen.“ Er ist deshalb froh, dass sie weiterhin für Gottesdienste genutzt wird. Über ein Erbbaurecht überlässt die evangelische Kirchengemeinde für vorerst 66 Jahre die Kirche der russisch orthodoxen Kirche. Die hat rund 100 Gemeinden in Deutschland, zum Beispiel in Augsburg, Kempten und Landsberg.

Der Raum dazwischen „blieb bislang für die russisch-orthodoxen Gläubigen unversorgt“, schreibt Erzpriester Nikolai Artemoff aus München im evangelischen Gemeindebrief, der demnächst erscheinen wird. „Mit der Kirche in Ettringen könnte sich ein neuer Anziehungspunkt bilden.“

Quelle: Mindelheimer Zeitung 


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