Gutes Altes pflegen, gutes Neues begrüßen

 


Ettringer Trachtenverein „D’Wertachtaler“ feierte 80-jähriges Jubiläum mit einem farbenprächtigen Waldfest
Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Frieder

„Dau sott ma schier gar na gau“, dachten sich viele, als sie von dem Waldfest hörten, zu dem der Ettringer Heimat- und Volkstrachtenverein „D’Wertachtaler“ aus Anlass seines 80-jährigen Gründungsjubiläums einlud.
Gesagt, getan! Einen ganzen Sonntag lang ging’s mit Scharen von Gästen erst feierlich, später lustig zu beim Trachtlerheim und der schönen, neuen Tanzbühne, die bei dieser Gelegenheit auch gleich eingeweiht wurde.

Über das Wetter sind der Worte schon genug gewechselt, deswegen soll nur soviel festgestellt werden: Man war froh, dass es nicht ununterbrochen, sondern nur halbstundenweise regnete und dass die Temperaturen im Plusbereich blieben. Dieser Sommer macht bescheiden. Die Stimmung jedenfalls hätte auch bei strahlendem Sonnenschein nicht besser sein können.(…)

Insbesondere die Jugend des Vereins hat sich bei der äußerst arbeitsintensiven Vorbereitung dieses Festes in vorbildlicher Weise eingebracht. Alles klappte wie am Schnürchen, nichts war dem Zufall überlassen, die Besucher fühlten sich bestens versorgt und unterhalten. Vom Kleinkind bis zur Oma war hier jeder willkommen.
Ein hübscherer Schauplatz für ein Fest lässt sich kaum denken. Das Trachtlerheim liegt auf einer Waldlichtung und hat jetzt durch die neue Tanzbühne noch dazu gewonnen. Mit Hilfe engagierter Eigenleistung und eines kräftigen gemeindlichen Zuschusses konnte der solide, überdachte Tanzboden errichtet werden. „Heute“, sagt Vorsitzender Johann Kornes, „ist es fast nicht mehr möglich, ein Fest zu feiern, ohne den Gästen und besonders den Musikern und ihren Instrumenten ein Dach zu bieten. Außerdem trägt die Bühne zur trachtlerischen Entfaltung bei.“

Gesponsert wurde das Fest von der Genobank, der Sparkasse, der Firma Lang, der Gemeinde Ettringen und vielen kleinen Unterstützern aus dem Dorf.

Ministranten in Tracht
Los ging’s schon am Vorabend mit einem fröhlichen Abend mit der Band „Let’s fetz“. Der Sonntag begann mit einem feierlichen Gottesdienst, harmonisch ergänzt durch die Blaskapelle und den Kirchenchor. Eine Augenweide waren die Ministrantinnen und Ministranten, die ihren Dienst ausnahmsweise in Tracht versahen.

Pater Shaji hatte die Messe ganz unter das Thema „Heimat- und Traditionspflege“ gestellt, und es machte nachdenklich zu erleben, wie ein Inder, der ja aus einem ganz anderen Kulturkreis kommt, sich dazu äußert. Eindringlich wies der Pater darauf hin, wie wichtig es sei, alte Bräuche zu pflegen. Sonst gehe das Wesen der Heimat verloren. Entscheidend sei, dass man nicht nur das Alte bewahre, sondern auch das Neue begrüße und aus beidem das Gute herausfiltere: das, was es wert sei, gepflegt zu werden.

Gewand drückt Haltung aus
Zur Tracht sagte Pater Shaji: „Das Gewand ist Ausdruck der inneren Haltung. Früher haben die Menschen die Festtagstracht oft unter großen Opfern angeschafft, damit sie am Sonntag zur Ehre Gottes würdig gekleidet waren. Sie ist Zeichen von Freude, Festlichkeit und Farbe.“ Er beglückwünschte die „Wertachtaler“ zu den Inhalten ihres Vereins und zu ihrem Festtag.

Glückwünsche, Dank und Geburtstagsgeschenke gab es auch von den geladenen Ehrengästen. Verzichtet wurde dabei auf lange Reden, in erster Linie ging es ums Feiern, Tanzen und Musikmachen. Die Syrgensteiner Geißelschnalzer ließen ihre Peitschen knallen. Die Trachtenjugend und die Gaugruppe des Altbayerisch-Schwäbischen Gauverbands legten flotte traditionelle Tänze aufs Parkett, und die Ettringer Chorspatzen sangen um die Wette.

Die Blaskapelle Ettringen und „Sound of Bergelein“ spielten auf. Für Speis und Trank war im Überfluss gesorgt. Die lange Theke mit den herrlichen Torten und Kuchen wurde ratzekahl leer gekauft.
Viel Bewunderung erregte die ausnehmend schön geschmückte Bühne. Gestecke aus Sonnenblumen und Rohrkolben, Girlanden aus Efeu und Ebereschenbeeren sorgten für Farbe. Dazu die prachtvollen Fahnen und die schönen Trachten ­ Reginahauben, bunte Röcke, Lackschuhe, bestickte Krachlederne, Spitzenblusen, frische Blumen an den Miedern und auf den Hüten ­ es war ein erfreuliches Bild.

Groove mit Allgäu-Countrymusic
Am Abend setzte dann die „Königlich privilegierte Waschhausvereinigung“ mit ihrem Programm „Leif schteil Allgäu“ dem Fest noch das i-Tüpfelchen auf. Die drei ausgelassenen, schrägen Vögel aus dem Illerwinkel (die, man glaubt es kaum, im Hauptberuf Lehrer, Zahnarzt und Chemiker sind) rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen und Lachsalven hin.
Mit witzigen Texten, Slapstick, originellen Arrangements und einem Haufen skurriler Instrumente, vom Käsehobel bis zum Hufeisenofon und vom Schnorchel bis zum Waschbrett, entfachten sie ein Feuerwerk der guten Laune und einen unwiderstehlichen allgäuspezifischen Country-Bluegrass-Groove.

                             Schlagwort "Vereine"

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