WOCHENKURIER: Blickpunkt Ettringen

Gut aufgestellt Bürgermeister Sturm: „Definieren uns immer noch als Dorf!“

Die fast 3.600 Einwohner zählende Gemeinde Ettringen mit ihren Ortsteilen Ettringen, Siebnach und Traunried ist für die Zukunft bereits jetzt gut aufgestellt und es soll noch besser werden. Man habe in den vergangenen 30 Jahren 26 Millionen Euro „verbuddelt“, resümiert 1. Bürgermeister Robert Sturm zufrieden und stolz im Gespräch mit dem Wochen KURIER, sprich: in die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt. So sei Ettringen 1993 die erste bayerische Gemeinde mit Gasversorgung gewesen. Unlängst wurde ein kleines Gewerbegebiet im Westen des Hauptortes ausgewiesen. Die kleineren, ideal für Startups geeigneten Gewerbeflächen sind bereits komplett vergeben. Gerade werden die Straßen in Siebnach saniert und als nächstes Großprojekt steht der ➡ Bau eines Kindergartens auf dem Gelände des dortigen Pfarrhofs an.

Top-Bauprojekt: Kindergarten in Siebnach

Als weitere größere Projekte haben die Gemeindeverantwortlichen in den nächsten Jahren den Breitbandausbau im Visier und – in weiterer Ferne, aber nach wie vor deutlich sichtbar – den Bau eines ➡ neuen Rathauses. Sturm: „Aber erst einmal müssen wird den Bau des Kindergartens verdauen.“ Hinsichtlich Breitband sei man noch in die Förderung gerutscht, die Firma Corvese sei mit der Planung des 6,5 Millionen Euro-Projekts beauftragt. Baubeginn sei „demnächst“, gebaut werde in drei bis vier Abschnitten. Auch das Thema Windkraft haben die Ettringer nach wie vor auf dem Schirm. Nachdem die „10H-Regel“ gekippt worden sei, hoffe man, dass sich wieder Möglichkeiten ergeben. Nordöstlich von Siebnach könnte das sein. „Der Gemeinderat hat sich jedenfalls Gedanken gemacht“, so Sturm. Für den Neubau des Kindergartens in Siebnach wurde es höchste Zeit. Der seit einigen Jahren in der Gemeinde zu verzeichnende Kinder-Boom (Sturm: „Es gibt einen regelrechten Run auf Krippenplätze!“) macht eine schnelle, aber auch zukunftsfähige Lösung erforderlich. Der ➡ Pfarrstadl auf dem Gelände des Pfarrhofs ist dafür schon lange als Standort vorgesehen. Den 1704 erbauten Pfarrhof im Siebnacher Zentrum hatte die Gemeinde bereits vor Jahren erworben. Er steht unter Denkmalschutz und sollte nicht in private Hände übergehen. Sturm unterstreicht: „Dem Dorf den Pfarrhof!“ Seither finden in dem renovierungsbedürftigen Gebäude immer wieder Veranstaltungen statt. Und trauen kann man sich hier auch (lassen). Die Gemeinde hat im Erdgeschoss ein Trau-Zimmer eingerichtet. Als Lauf über viele Hürden bezeichnen Sturm und sein Vertreter Roland Wagner das Genehmigungsverfahren zum Umbau des möglicherweise ebenso unter Denkmalschutz stehenden ➡ Pfarrstadels. Als Architekt wurde kein geringerer als Leo von Klenze (1784 – 1864) vermutet. Diese Vermutung hat sich inzwischen als nicht haltbar erwiesen, ein Umbau ist schlicht nicht mehr möglich: Unter der Schneelast im vergangenen Winter brach das Gebäude ein. Dort, wo einst der Stadel stand, wartet jetzt eine freie Fläche auf den Beginn der Bauarbeiten zum neuen Kindergarten. Der Bauantrag wurde gestellt, die Förderung beantragt. Die Baugenehmigung wird für das überwiegend aus Holz geplante Gebäude Ende 2024 erwartet, Baubeginn soll im Frühjahr 2025 sein und Mitte 2026 könnte die Betreuung für drei Gruppen à 25 Kinder aus Siebnach und Traunried aufgenommen werden. Eine Herausforderung dürfte die Gewinnung von Personal sein. Man nutze da alle Möglichkeiten, so Sturm, „einschließlich TikTok“. Man sei aber zuversichtlich. Die Gemeinde habe einen guten Ruf, außerdem sei man aufgrund der Lage im „Dreiländer-Eck“ (Landkreise) begünstigt. Da könne man auch in benachbarten Landkreisen auf Suche gehen. Der Kindergarten wird übrigens als erweiterungsfähig geplant und könnte sogar später einmal für die Seniorenbetreuung genutzt werden. Um die älteren Herrschaften kümmern sich in Ettringen eine ehrenamtliche Seniorenbeauftragte und der Seniorenverein „Dahoim“. Zudem eröffnete im vergangenen Jahr die ➡ „Soziale Mitte“, die auch den Seniorentreff mit Tagespflege beherbergt. Auch in dieser Anlage steht dem Bürgermeister ein Trauzimmer zur Verfügung.

Rühriges Vereinsleben

Ausgesprochen zufrieden sind Sturm und Wagner mit dem gesellschaftlichen Leben im Ort. Und zwar in allen Ortsteilen. Das Vereinsleben funktioniert, man organisiert viel zusammen. Als besonderes gelungenes Beispiel führen sie die Dorfgemeinschaft in Siebnach an. So sei etwa der örtliche, ➡ hochklassige Musikverein „unbeschädigt“ und ohne Mitgliederschwund durch die Corona-Jahre gekommen. Das habe viel mit guter Jugendarbeit, funktionierendem Zusammenhalt und dem gelungenen Stabwechsel an die Nachfolger zu tun. 2026 wird in Siebnach „280 Jahre Vereinspower“ groß gefeiert – mit Gauschießen und Bezirksmusikfest vereinsübergreifend unter dem Motto „Hand in Hand: Siebnach feiert mitanand!“

Baldige Schließung des Edeka-Marktes schmerzt

Man könnte meinen, dass alles gut ist in Ettringen. Was natürlich nicht der Fall ist. Sorgen bereitet dem Bürgermeister das Verschwinden von Gaststätten und dass für die örtliche Mittelschule durch die Bevorzugung anderer Schularten „zu wenig übrigbleibt“. Vielleicht kann die Albert-Schweitzer-Grund- und Mittelschule ihr Image sportlich aufpolieren. Dort gibt es nämlich eine Arbeitsgruppe Mountainbike, die auch auf nationaler Ebene „sehr gut abliefert“ und kürzlich zusammen mit dem TSV Ettringen maßgeblich an der Ausrichtung des ➡ Bezirksfinales Mountainbike der Schulen beteiligt war. Auch dass die Ettringer mit der ➡ Schließung des Edeka-Marktes in der Ortsmitte das, so Sturm, „Herzstück der Nahversorgung so plötzlich verlieren, überrascht uns und kann uns als Gemeinde nicht freuen. Da wir jedoch keine Planwirtschaft haben, ist die Gemeinde nicht in der Lage, selbst Waren des täglichen Bedarfs zu verkaufen. Wir hoffen auf eine Markt- und Nachfolgelösung, die wir so gut es möglich ist, begleiten.“ Erfreulich hingegen ist, dass die Ettringer aus Bayern und die Ettringer aus der Eifel im vergangenen Jahr die ➡ Patenschaft wiederbelebten, die sie 1973 geschlossen hatten. Diese war zunächst gelebt und gepflegt worden, im Laufe der Zeit aber eingeschlafen. Zum runden Jubiläum im Jahre 2023 nahmen beide Gemeinden den Faden wieder auf – hoffentlich dauerhaft. Es ist also ganz schön was los in Ettringen. „Und“, so der Bürgermeister „wir definieren uns immer noch als Dorf!“ Text: Klaus D. Treude WOCHENKURIER

zum Artikel mit Bildern im WOCHENKURIER


Aktuell bei Ettringen.info: